»Es gibt keine Liebe zum Leben ohne Verzweiflung am Leben« (camus)
In seinem Essay »l’envers et l’endroit/ Licht und Schatten« reflektiert Camus sein Gefühl der Fremdheit gegenüber einer als paradox empfundenen Welt, in dem das menschliche Leben als fundamental absurd, aber dennoch lebenswert, sogar glücklich, verstanden wird. In »if I was real« pendeln acht Tänzer in einem geteilten Raum zwischen diesen beiden Polen: Es entstehen Bilder voller Geheimnisse von verborgenem Zusammenhang, die seltsam und vertraut zugleich erscheinen. Geschaffen 2013 für ihre eigene Compagnie, kreierte die Choreographin nun eine neue Version mit dem TanzTheaterMünster.

»ganz erstaunlich, wie toula limnaios und ihre compagnie sich immer wieder neu erfinden.« (neues deutschland, karin schmidt-feister, 2013)

 

»..›if I was real‹ lässt überraschenderweise schicksal, schmerz und leid hinter sich und hebt ab zu einem reigen festlich-wilder schönheit.« (kulturradio)

(gastspiel des tanztheatermünster)

eine Produktion des tanztheatermünster (2016): künstlerischer Leiter & chefchoreograf: hans henning paar; stellvertretender künstlerischer leiter, assistent & trainingsleiter: lászló nyakas; dramaturgie & management: esther von der fuhr

fotos: oliver berg

konzept/choreographie

toula limnaios

musik

ralf r. ollertz

tanz/kreation

ensemble des tanztheatermünster: maria bayarri pérez, mirko de campi, adam dembczynski, agnès girard, priscilla fiuza, jason franklin, ako nakanome, tri thanh pham, alessio sanna, elizabeth towles, keelan whitmore

raum/kostüme

antonia limnaios, toula limnaios

assistenz

lászló nyakas, giacomo corvaia

kritiken

»in der großen tanzszene berlins nimmt die compagnie toula limnaios eine sonderstellung ein. seit 15 jahren arbeitet sie kontinuierlich in berlin, seit zehn jahren verfügt sie mit der halle im prenzlauer berg über eine eigene spielstätte und neben der compagnie von sasha waltz ist sie die einzige in berlin, die mit einem festen tänzer-ensemble arbeitet.
verzweiflung und liebe /// von camus inspiriert – ist die passende beschreibung für diese choreografie. zwar waren frühe essays, camus erstling licht und schatten von 1937, anregungsmaterial. aber camus zu verbildlichen, sei unmöglich, hat toula limnaios gerade in einem interview gesagt. anklänge lassen sich jedoch finden: licht und schatten sind hier, angelehnt an camus, zu verstehen als ablehnung und annahme der welt, wie sie ist, als bewusst erlebte fremdheit und feier ihrer schönheit, als verzweiflung am leben und liebe zum leben, was untrennbar zueinander gehört, wie camus sagt. ein spannungsfeld, in dem sich toula limnaios ohnehin bewegt, in ihrem existenzialistisch grundierten magischen realismus, zu dem poesie und dramatik als schwestern gehören. wobei sie in ihrer neuen choreografie überraschenderweise schicksal, schmerz und leid hinter sich lässt und zu einem reigen festlich-wilder schönheit abhebt.«  (kulturradio, frank schmid, 2013)

»janusköpfiger tanz zwischen dünnen linien /// … räume schieben sich ineinander …
ganz erstaunlich, wie toula limnaios und ihre seit zehn jahren in der halle tanzbühne berlin beheimatete compagnie sich immer wieder neu erfinden.
so schweifen die acht interpreten in einem dreifach geteilten bühnenraum zwischen welten umher. … die protagonisten erinnern in den mehrstimmigen solo- und gruppenbildern nur noch wenig an einzelkämpfer, an zerrüttete individuen, die sich im gegeneinander verausgaben. nein, in dieser neuen arbeit löst toula limnaios die kraftvollen unisono-formationen permanent auf. sie kreiert sinnliche bewegungs-spiegelungen flüchtiger, empfindsamer schönheit.
die wandlungsfähige compagnie ›cie. toula limnaios‹ schenkt uns einen getanzten essay inspiriert von camus’ ›l’envers et l’endroit/licht und schatten‹ über möglichkeiten des seins. leise, geheimnisvoll, offen für neue blickrichtungen, ein bisschen verrückt.« (neues deutschland, karin schmidt-feister, 2013)

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