»shifted realities« ist ein doppel-solo der choreografin toula limnaios mit ihrem langjährigen tänzer hironori sugata. beide sind ungefähr im gleichen alter und sie verbindet eine tiefe wertschätzung. nun stehen beide gemeinsam auf der bühne, jeder in seiner unnachahmlichen art.

»dehnt doch zum beispiel der körper des tänzers sich über den raum aus, der für ihn zugleich ein innerer und äußerer raum ist.« schrieb 1966 foucault. laut dem philosophen ist es erst das spiegeln des menschen, das ihn über die vorstellung seiner selbst seine ganze gestalt begreifen lässt. diesen gedanken der parallelverschiebung verfolgt das doppel-solo. wir stehen nicht für uns selbst, sondern beeinflussen uns. ein jeder das leben des anderen und ein stück auch die welt, durch seine taten, seine energie, seinen einfluss …

zwei tänzer in ihrem jeweils eigenen raum, parallel nebeneinander, gleichzeitig und so nicht isoliert, nicht synchron, sondern in gegenseitiger beeinflussung. – eine überschreitung von raum und zeit, die eigenständigkeit ebenso wie transformation zulässt. der raum, in dem wir leben, ist kein vakuum, sondern verknüpft/ überschneidet sich immer mit den wurzeln, geschichten und dem leben eines anderen.

mit dem doppel-solo schöpft sie mehr das potenzial des individuellen aus, voller gegenläufiger verweise und andeutungen. nach lukrez »erzeugen die dinge ihre eigene sichtbarkeit, indem sie ständig feine schichten ihrer äußeren hülle in den raum aussenden, die dann entsprechende abdrücke auf unserer netzhaut hinterlassen.

eine produktion der cie. toula limnaios mit freundlicher unterstützung des landes berlin, senatsverwaltung für kultur und europa.

konzept/choreographie

toula limnaios

choreographie/tanz

toula limnaios, hironori sugata

musik

ralf r. ollertz

lichtdesign

felix grimm

raum/kostüme

antonia limnaios, toula limnaios

choreographische assistenz

ute pliestermann

public relation

silke wiethe

tourneen kooperationen

sanya tsekov

licht und bühnentechnik

domenik engemann, jan römer, leo tsirigotis

kritiken

»die choreographin toula limnaios ist berlins spezialistin für eine art magischen realismus. mit ihrem tanz wolle sie die zuschauer vor allem berühren, hat sie einmal gesagt. und hironori sugata, seit langem in ihrer compagnie, immer einer der auffälligsten, ein tänzer für die besonderen momente, ein fremdgänger, ein irrlicht, immer zugleich anwesend und abwesend, mit undurchdringlichem gesichtsausdruck. zwei enorm präsenzstarke künstler tanzen solistisch nebeneinander und bilden dennoch ein duo. ohne körperliche berührung. sie teilen denselben bühnenraum, bewegen sich aber jeweils in ihren eigenen räumen und welten – allein und doch vereint, fern voneinander und doch gemeinsam – das ist das paradoxe dieser choreographie.
auch der bühnenraum spiegelt diesen ansatz, es ist ein raum, der innen und außen definiert. auch hier findet sich das thema der choreographie – getrennte welten, die zueinander gehören, einander durchdringen. ein thema, das sich auch in der musik von ralf ollertz widerspiegelt. er hat erneut einen vielschichtigen sound gemixt … immer den szenen entsprechend, aufwühlend oder beruhigend, komisch oder bedrückend.
ein tanz, der nach unbehaustheit und verwerfungen aussieht, … gefühle, erinnerungen, sehnsüchte, ängste. brüche durchziehen die köper und den tanz, der einem wieder in die seele sickert, schön und beunruhigend, weich und virtuos und grausam und hart. dies ist einmal mehr ein irritierender und aufwühlender abend mit faszinierenden bildern … vergangenheit, gegenwart und zukunft fließen hier ineinander.«

rbb kulturradio, kulturradio am morgen, frühkritik, frank schmid

»the premiere of “shifted realities” was a real success! … it seems that each of the two protagonists is telling its own story. limnaios sings a greek song, tells her story as woman – with heels – and as dancer – with ballet shoes – while sugata, through small and elegant gestures and short and fast steps, takes us into his world, getting closer to his distant culture. in a compelling scheme, in which the two protagonists enter and leave the central space without ever meeting, these two monologues seem to become a dialogue. … “shifted realities” exceeds expectations. the show is intense and well built. the dance is beautiful, the music, signed by ralf r. ollertz, is captivating and the two performers are very good. the several minutes of applause were well deserved. a personal commendation to toula limnaios who despite her great career as a choreographer is not afraid to get involved and risk again.«

www.campadidanza.it, starseite & recensioni, nicola campanelli

»der menschliche fußabdruck. die erste premiere der cie.toula limnaios in 2019 eröffnet mit einem paukenschlag. … – in „shifted realities“ gehört die zweigeteilte halle tanzbühne erstmals ihnen allein, ein geschenk für beide und die zuschauenden. – …ihr doppel-solo ist eine asymmetrische synthese zwischen banalität, utopie und dystopie. das zweigeteilte raumkonzept ist bestechend. … die kleine zarte frau wird in diesem hohen raum tanzend zum einsamen vogel, der mit offenen haaren bäuchlings zu fall kommt. enge. begrenztheit. einsamkeit. doch der raum ist an vier seiten durchlässig. … hironori sugata … ein starker mensch … gefangen in sich und den vier wänden; aus der eigenen haut kommt er nicht. oder doch? die fünfzigminütige szenenfolge wendet außen- und innenräume, erhellt die spannung von privatheit und welt im faszinierenden agieren der beiden hochkonzentrierten interpreten. … toula limnaios und hironori sugata kreieren ein leises tanzstück hoher intensität, dessen oftmals winzige körper-sprachliche details einprägsam nachhallen. immer schwingt bei diesen auratischen performern mehr mit als das, was wir im augenblick sehen.«

neues deutschland, feuilleton,
tanznetz, startseite/ besprechungen, karin schmidt-feister

»whether performing separate choreographies entirely or responding to one another, limnaios and sugata possess an impressive synergy. their exploration of mutual influence is particularly powerful in limnaios’ striking “double solo” with herself – a sequence in which she wears a boot on one foot and a ballet shoe on the other, thus dividing her body into two different physical capabilities. … numerous episodes fragment the performance and break the spell created by limnaios’ formidable stage presence and emotional energy. … what they do best: highly emotive choreographies. and that in itself is an enviable skill.«

www.exberliner.com, startseite & what’s on: dance & theatre, madeleine pollard