»simply gifts« are solos for five dancers, which will be danced during this festival by the original cast of 2007. toula limnaios chose the solo as a form for contemplating a special kind of directedness and intimacy. it combines presence and emphemerality in a single moment – is powerful, while also quiet and subtle. it resembles a miniature filled with details and fine differences. the grande gesture is abstained in favor of smaller nuances. the individual personality is extracted from its exterior form. these are gentle, loving and very distinct portraits.

mercedes appugliese »hola merce«
»in my fantasy, i am unfettered by my real body. i leave it behind and become someone else, …if i so wish.« (siri hustvedt, »being a man«)

carlos osatinsky »17 minutos con la realidad«
»his dreams bear relation to reality, for, as cicero wrote, in our dreams do roll and romp the remains of all those things in our souls, which we thought of and acted upon in our waking hours.« (michael ende, »der spiegel im spiegel, ein labyrinth«)

hironori sugata »ich bin eine fiktion«
»when you realize in a dream, that you are dreaming
then you are about to wake up.
i am about to wake up.« (michael ende, »der spiegel im spiegel, ein labyrinth«)

katja scholz »guten morgen, du schöne«
»you go away and come back and something has changed. each of us has the right to go away and come back as someone else.« (maxie wander, »rosis portrait«)

ute pliestermann »riss«
»i’ve the whole day before me, to go wrong, to go right, to calm down, to give up, i’ve nothing to fear, my ticket is valid for life …« (samuel beckett, »texte um nichts«)

 

»watching the work of toula limnaios usually leaves me feeling as if i were dreaming with my eyes open. ›simply gifts‹ also has something wonderfully out-of-this-world. the ground is gently pulled out under your feet; everyday logic is turned on its head. … these dance miniatures are eccentric and enigmatic …« (tagesspiegel, sandra luzina, 2007)

a cie. toula limnaios production with kind support by the cultural department of the city of berlin, department for cultural affairs pankow and fund for performing arts e.v.

fotos: johann camut

artistic director/choreography

toula limnaios (choreography in collaboration with the dancers)

music

ralf r. ollertz, michael kamen, edith piaf

dance

mercedes appugliese, carlos osatinsky, ute pliestermann, katja scholz, hironori sugata

lightdesign

klaus dust

space

toula limnaios

costumes

antonia limnaios, toula limnaios

public relation

silke wiethe

reviews

»meisterhaft choreografiert toula limnaios das zwischenmenschliche und verweist mit ihrem detailreichen, subtilen repertoire abseits großer gesten auf das intime und die tiefe menschlicher bewegung. so hat die gebürtige athenerin ihre compagnie neben sasha waltz & co auch zunehmend zur hausnummer für zeitgenössischen tanz made in berlin gemacht.« (tip, 2007)

»glücksgefühl auf höhenflügen /// bei toula limnaios hat man meist das gefühl, mit offenen augen zu träumen. auch der neue tanzabend hat etwas wunderbar entrücktes. sacht wird einem der boden unter den füßen entzogen, die alltägliche logik wird auf den kopf gestellt. in ›simply gifts‹ hat die choreografin für 5 darsteller ihres ensembles ein solo kreiert. und das geht weit über die üblichen bekennerhaften tänzerporträts hinaus. hier beginnen sogleich die wunschenergien zu zirkulieren. die akteure träumen sich in einen anderen körper hinein oder sie scheinen dem traum eines unruhigen schläfers (c. osatinsky) entsprungen zu sein, der im morgenmantel am rande der bühne sitzt.
m. appugliese spintisiert in ›hola merce‹ zu pompösen radioklängen von zukünftigen heldentaten. mit ihrem roten helm mutet sie wie eine comicfigur an. der behelmte kopf scheint zu groß und zu schwer für den zierlichen körper. die tänzerin kippt aus der balance, knallt wiederholt zu boden, kreist auf dem helm wie ein propeller und scheint bei all ihren aktionen unverwundbar. die dame hat offensichtlich ihren ganz eigenen kopf. wie sie auf konfrontationskurs mit der realität geht, das hat eine waghalsige komik.
die figuren bei toula limnaios stehen oft auf der kippe, aber sie haben auch keine angst zu fliegen. der japaner h. sugata unternimmt in ›ich bin eine fiktion‹ einen euphorischen höhenflug. an einem seil befestigt, schlägt der tänzer der schwerkraft ein schnippchen. er rotiert zunächst sacht um die eigene achse, pendelt, schaukelt und scheint regelrecht zu fliegen. eine luftnummer, die wahre glücksgefühle weckt.

k. scholz hat sich von maxie wanders buch ›guten morgen, du schöne‹ zu einer bizarren fantasie anregen lassen. ›jeder von uns hat das recht, wegzugehen und als ein anderer wiederzukommen‹, heißt es da. scholz ist zunächst als halbnackte rückenfigur mit einem ausladenden kopfputz zu bewundern. ihre bewegungen sind von aufreizender langsamkeit. die schöne kreist selbstversunken um sich selbst und verwandelt sich vor unseren augen in ein erotisches fantasma. sie holt zwei schwarze stöckelschuhe, die gängigen requisiten der verführung, aus ihrer unterhose und hüllt dann kopf und oberkörper in schwarzes fell. sie ist beides zugleich: king kong und die weiße frau – ein irritierendes bild für das weibliche begehren.
u. pliestermann ersinnt sich in ›riss‹ ein imaginäres gegenüber, dem sie genaue anweisungen gibt. sie mimt die fesche lola in goldenen hot pants, doch ihre verführungsstrategie läuft ins leere. da ist niemand, der sie erhört, den sie betört – eine frau am gängelband ihrer wünsche. verrückt und verrätselt sind diese tänzerischen miniaturen …
toula limnaios ist eine ausnahmeerscheinung der berliner tanzszene: ihre choreografien kreisen stets um die widersprüchlichen beweggründe und verborgenen sehnsüchte der menschen. ihre stücke gleichen expeditionen in unbekannte seelische regionen – und dazu braucht es darsteller, die mehr können, als gut auszusehen und sich schön zu bewegen. dass sie ein händchen hat bei der auswahl ihrer tänzer, hat limnaios immer wieder bewiesen.« (tagesspiegel, sandra luzina, 2007)

»spielerisch sind die tanzmonologe ineinander gewoben. als inhaltliche klammern lassen sich ausmachen: innere zustände freilegen, verborgene träume visualisieren, das, was man sich wünscht, nicht bekommt oder nicht ist.« (neues deutschland/tanznetz.de, volkmar draeger, 2007)