ein gedicht in bewegung – gewidmet lefteris, meinen vater.
entrevisions ist ein polyoptikon von landschaften und menschlichen reliefs, wo licht und schatten, himmel und erde zu einem weg verschmelzen und sich frei von hoffnung, dem traum hingeben.
»dunkel
schließe deine augen
hab’ keine angst 
wir sind alle
schließe deine augen und berühr für eine weile deine lider mit den fingerspitzen
sieh nach innen 
zieh deine finger zurück und lass die bilder an dir vorbeifliessen, die du innerlich siehst.« 
(toula limnaios)
drei tänzer bewegen sich durch einen leeren raum, in dem durch tanz und einige wenige accessoires starke poetische bilder entstehen, frei inspiriert von den vier elementen wasser, erde, feuer und luft. vor dem hintergrund wechselnder geräusche, töne und lichtstimmungen schafft toula limnaios einen sich unaufhörlich weiterspinnenden bilderbogen, der mit der musik von ralf r. ollertz eine seltsame, melancholische atmosphäre heraufbeschwört – schön und beunruhigend zugleich. der zuschauer ist aufgefordert, sich dem fluß freier assoziationen hinzugeben und dadurch eine verbindung zwischen imagination und wirklichkeit zu erschaffen.

ihre stücke atmen ein nicht greifbares geheimnis, sie atmen die atmposphäre eines expressionistischen stummfilms. traumsequenzen? das cabinett des dr. caligari? vertrautes bild.
marionetten, ein vogel, kämpfend im sturm, naturgewalten, insekten, körperteile, die ein plötzliches eigenleben entwickeln, impulse geben und den ganzen körper mitreißen. die mechanische bewegung einer puppe, drei menschen, die zu einem verschmelzen, eine hand, die langsam über ein gesicht läuft, anziehung und abstoßung zweier wesen – der phantasie sind keine grenzen gesetzt. »entrevisions« besticht durch seine schnörkellose schlichtheit, durch seine poesie und die faszinierende harmonie des bewegungsflusses.

»toula limnaios breitet ihre arme zu schwingen aus, und wohl kaum jemanden würde es wundern, wenn sie sich tatsächlich in die luft erhebt.« (nürnberger nachrichten, m.k, 1998)

produktion: cie. toula limnaios mit freundlicher unterstützung der ministère de la communauté française de belgique – service danse et musique –, der sacd »1500 heures pour danser«, musiques et recherches – annette vande gorne, dem studio der tu-berlin, dem graphischen büro cyan und tripple aaa. 
koproduktion: charleroi/danses, zentrum für choreographie der communauté française von belgien, künstlerische leitung: frédéric flamand, akademie der künste und künstlerhof buch, berlin.
gastspiele: charleroi, erlangen, brüssel, berlin, cottbus

concept/choreography

toula limnaios

music

ralf r. ollertz

dance/creation

ludger lamers, toula limnaios, yvonne weschke

lightdesign

franco marri, michel delvigne (lichtregie)

reviews

»szenen um die flüchtigkeit der gefühle. tänzerische perfektion /// toula limnaios, yvonne weschke und ludger lamers zaubern in harmonischer körperarbeit poetische bilder auf die bühne. sie erzählen keine geschichte, sie tanzen stimmungen. die zuschauer können sich im fluß möglicher assoziationen treiben lassen. ›entrevisions‹ versetzt das publikum in eine atmosphärische traumlandschaft, bevölkert von sensiblen individuen, tieren und mario-netten. mit fließenden, geschmeidigen bewegungen sprechen die tänzer von unrast, sehnsucht und verzweiflung. anmut und eleganz haben auch im modernen tanztheater noch platz. toula limnaios breitet ihre arme zu schwingen aus, und wohl kaum jemanden würde es wundern, wenn sie sich tatsächlich in die luft erhebt.« (nürnberger nachrichten, m.k/ krs, 1998)

»tanz durch denken /// der von bewußtheit durchflutete körper wird wirklicher und unwirklicher zugleich, wie ›entrevisions‹, das im theater am halleschen ufer aufgeführte tanzstück der compagnie toula limnaios zeigt. wenn die drei tänzer in einer lichtdiagonale auf allen vieren den raum durchkreuzen, dann wirken die bewegungen so ätherisch, schwebend, so flüssig leicht, daß sie den körper irreal werden lassen. mehr als mit einer aus fleisch und blut und knochen bestehenden physis scheint man es hier mit einer reinen projektion zu tun zu haben. der körper wird hier als ein phantasma inszeniert, durch das man die verschiedensten energien sendet, die ihn als einen jeweils neuen, anderen erscheinen lassen.« (berliner zeitung, michaela schlagenwerth, 1999)