ein solo für zwei männer 
ein doppelportrait – gleich und doch überraschend anders. zwei parallel getrennte welten über den kern des wesens, pur und formal in der anlage, aber von einer poetischen kraft und persönlichen eindringlichkeit, die direkt ins herz zielt. ein abend wie ein kleines juwel.

das motiv des doppelgängers irritiert und fasziniert zugleich: sein auftauchen verwischt die grenzen zwischen dem ich und den anderen. der doppelgänger hinterfragt vorstellungen von ähnlichkeit und differenz, problematisiert das subjekt und seine identität.

»isson« ist den kontrasten gewidmet, der wirklichkeit und der illusion, dem licht und dem schatten, der unruhe und der ruhe. zwei wirklichkeiten, die man nicht trennen kann. der traum ist nicht die andere wirklichkeit, er gleitet über beide, erhellt oder verdunkelt sie. schatten, eine düstere zone, die von undurchsichtigen körpern geschaffen wurde und die die strahlen einer lichtquelle bricht. das undurchsichtige stellt sich gegen das vorüberziehende licht.

»im synchronen wird nicht virtuosität demonstriert, sondern das verschmelzen zweier wahrnehmungszustände. dieses auskomponierte decrescendo ist eines der berührendsten, einleuchtendsten schlussbilder im tanztheater, das seit langen zu sehen war.« (tagesspiegel, franz-anton cramer 2003)

die cie. toula limnaios wird institutionell gefördert durch das land berlin, senatsverwaltung für kultur und europa.

neuinszenierung 2016 tanz: leonardo d’aquino, daeho lee

fotos: dieter hartwig

konzept/choreographie

toula limnaios

musik

ralf r. ollertz

tanz/kreation

leonardo d’aquino, alessio scandale

lichtdesign

klaus dust

kostüme

toula limnaios

choreographische assistenz

ute pliestermann

tourneen kooperationen

marie schmieder

licht und bühnentechnik

domenik engemann

kritiken

»im synchronen wird nicht virtuosität demonstriert, sondern das verschmelzen zweier wahrnehmungszustände. dieses auskomponierte decrescendo ist eines der berührendsten, einleuchtendsten schlussbilder im tanztheater, das seit langem zu sehen war.« (tagesspiegel, franz anton cramer, 2003)

»limnaios findet bewegende zeichen für die labile schwebe, in der das wesen mensch lebenslang hängt. sie geht zurück auf die pure, schmucklose bewegung und schafft eine formbewusste choreographie. die beinahe erschreckende synchronität der tänzer irritiert den zuschauer, der erst bei näherem hinsehen zwei grundverschiedene welten vorfindet. der rhythmus der komposition im leeren raum folgt den zitternden ausschlägen einer seele. ein kleiner hervorragender tanzabend.« (berliner morgenpost, c. klementz, 2003)

»die bühne, schlicht und ohne jegliche kulisse, ist perfekt in zwei hälften geteilt zwischen den beiden tänzern, die einander gegenüber, einer rechts und einer links vom publikum platziert sind. die beiden protagonisten, die nie einander ansehen, bewegen sich im einklang in perfekter synchronität … der tanz, der aus präzisen gesten komponiert ist und mit gleicher intensität ausgeführt wird, ist hypnotisch. es ist ein stück, das essenziell, effizient und charmant ist. die beiden tänzer sind äußerst talentiert in ihrer außergewöhnlichen präzision.« (campadidanza.it, n. campanelli, 2017)

»“isson“ – so heißt ein tanzstück von toula limnaios, kreiert und choreografiert für zwei tänzer – für zwei männer, die den abend im alleingang gestalten. das doppelgängertum ist dabei das künstlerische motiv. so entsteht ein vielschichtiger bewegungs-dialog bzw. -monolog, der sich in verschiedenen wirklichkeiten abspielt. ein aufregender tanzabend, eines der besten stücke von toula limnaios ist das – von ihr und ihrem ensemble natürlich, mit dem sie seit jahrzehnten in berlin arbeitet.« (rbb kulturradio, m. kalina, 2017)