schmerz und leidenschaft zählen zu unseren stärksten emotionen und beinhalten ungeheure energien. sie können ebenso triebkraft sein wie tragödien auslösen und spiegeln seit jeher menschliche sehnsüchte und abgründe wider. in »the thing I am« erscheinen sie wie in gemälden von zerfließenden, ebenso gequält wie leidenschaftlich taumelnden körpern, in denen stärke und gebrochenheit lodern. aufgeladen mit einer bis unter die haut reichenden sensibilität, durchwirken sie die intensität der gefühle in szenen von berührender verletzlichkeit.
entgegen einer zunehmend von oberflächlicher wahrnehmung und einer abstumpfenden gesellschaft geprägten welt, wo uns wenig berührt anstatt uns in den grundfesten zu erschüttern, setzt das stück auf die vehemenz und wahrhaftigkeit von gefühlen.

empfindsamkeit und aufbegehren, mühsal und hingabe verbinden sich zu einem hybriden panorama. hinter der fühlbareren bedrängnis schlummert gleichzeitig eine gebrochene schönheit. »the thing I am« als anatomie der leidenschaften, in der außerordentliches ebenso wie unsichtbares unsere sinne fesselt.

»… eine aufführung, die unter die haut geht!« (tanznetz, 2013)

»toula limnaios gelingen furiose tanzszenen.« (der tagesspiegel, 2013)

eine produktion der cie. toula limnaios mit freundlicher unterstützung der kulturverwaltung des landes berlin und des fonds darstellende künste e.v. aus mitteln des bundes.
gastspiele: nürnberg

konzept/choreographie

toula limnaios

musik

ralf r. ollertz

tanz/kreation

giacomo corvaia, marika gangemi, jozsef forro, samuel minguillon, hironori sugata, karolina wyrwal, inhee yu, ann-christin zimmermann

lichtdesign

jan langebartels

raum/kostüme

antonia limnaios, toula limnaios

assistenz

carlos osatinsky

public relation

silke wiethe

fotos

dieter hartwig, cyan

kritiken

»das brennen unter der haut … am vergangenen wochenende feierten die zuschauer die vier tänzerinnen und vier tänzer sowie das inszenierungsteam für ungemein intensive ›tagträume in bewegung‹. mit der wucht mehrschichtiger bilderfindungen und physischer präsenz ertanzte das ensemble bereits im stück ›wut‹ (2012) ein energiefeld aus bruchstücken zerbrochener ichs, die ein wir nur als fiktion beschwören. ›the thing I am‹ führt dieses grundthema nun weiter. die performance konturiert und verdichtet das in der gemeinschaft isoliert agierende ich mit unzähligen, genau kalkulierten bewegungsdetails, tanzsequenzen, bildfolgen. toula limnaios sucht nach leben und fragt konsequent nach den ursachen der beziehungslosigkeit, des scheiterns.
toula limnaios gelingen ensembleszenen von assoziativer kraft: die ewige irrfahrt des menschen im stehen und fallen des oktetts mit taschen und rucksack auf dem rücken; das tennisspiel mit der wand, während vor und hinter jedem ein mensch zusammenbricht. hohe intensität und extreme bewegungsbeschleunigung im unisono-tableau roboterhafter funktionalität; menschliche körper zerlegt, fragmentiert – kurz greift die hand nach dem herzen. physische gewalt spielt sich auf weißen wand-matratzen ab. man wird zeuge permanenter behinderungen und gegenseitiger lähmungen. die figurenkonstellationen sind ambivalent wie bei edward hopper. inhee yu reißt sich immer wieder imaginär die haut vom gesicht. kleider werden gewechselt, doch auch die buntheit bringt kein leben. während isolierte ichs lachend, verzweifelt um sich selbst kreisen, in sich selbst verharren, zappeln karolyna wyrwal und giacomo corvaia in überdrehter fröhlichkeit mit neuer haut im gesicht frontal auf die zuschauer zu.
›the thing I am‹ – ›tagträume in bewegung‹ – eine aufführung, die unter die haut geht.« (tanznetz /neues deutschland, karin schmidt-feister, 2013)

»limnaios hat sich mit ihren existenziellen tiefenbohrungen einen namen gemacht. auch ›the thing I am‹ geht vielmehr der philosophischen frage nach, aus welchem stoff wir menschen gemacht sind. limnaios zeigt nicht nur, wie stark wir von emotionen getrieben sind. sie deutet auch die doppelnatur des menschen als geistiges und sinnliches wesen an. zur atmosphärisch dichten musik von ralf r. ollertz gelingen toula limnaios furiose tanzszenen. am ende hält sie dem allgegenwärtigen hedonistischen treiben einen zerrspiegel vor. gleichwohl ist die szene sehr treffend.« (der tagesspiegel, sandra luzina, 2013)

»berührungen ohne begegnungen /// neue premiere, gesicherter auftrittsort, ausverkaufte vorstellungen und tourneen – die tanz-compagnie toula limnaios ist höchst erfolgreich. scheinen die superben tänzer zu beginn eher als träger von emotionen, gewinnen ihre duette zunehmend an schärfe und ihre aktionen an radikalität. angetrieben von der suggestiven und vielschichtigen musik des komponisten ralf r. ollertz, arbeitet sich ein paar mit verzweifelten würfen und hebungen in einer gepolsterten ecke ab, ein anderes erscheint mit verzerrten gesichtern und kopfhörern wie die karikatur moderner kommunikationslosigkeit. mit ihrer poetisch-expressiven, bildhaften bewegungssprache steht die griechin toula limnaios ganz in der tradition des deutschen tanztheaters. formalismen interessieren sie nicht, ihre darstellungen setzen auf emotionale allgemeingültigkeit und weit interpretierbare allgemeinverständlichkeit. damit hat sie sich ein ganz eignes, sehr treues, aufmerksames und begeistertes publikum erobert, jenseits des tanzszene-zirkels und quer durch alle alterstufen.« (berliner zeitung, elisabeth nehring, 2013)

»toula limnaios ist eine meisterin der starken emotionen. für all die, die in ihrem alltag schon genug fragmente aufzusammeln, zusammen zu kitten und irgendwie in balance zu halten haben, könnte dieser ensembletanz von großen gefühlen und wahren leidenschaften eine echte offenbarung bedeuten.« (zitty, 2013)

»es geht um den körper, das tiefste empfinden. es geht um uns, um den menschen in seiner macht und verletzlichkeit. das sind kleine szenen und große bilder, fließende und zackige bewegungen.« (berliner zeitung, 2013)