»reading tosca«, eine spannungsgeladene choreographische neulesung der puccini-oper – eine zeitgenössische neukomposition in bewegung und klang.
die choreographie vereint poesie und bilder des schreckens, sensibles portrait und sozialkritisches psychogramm, wobei die musik ebenso poetische metapher der fragilität wie auch spiegel der der oper innewohnenden zerstörerischen kraft ist.
puccinis musik wird dekonstruiert und kleinste partikel werden plötzlich aus dem verborgenen erscheinen, die ansonsten nicht wahrgenommen würden. realität, wunsch und wirklichkeit fallen auseinander. alles kann sich jederzeit in sein gegenteil verkehren: gewalt, folter, gefühle von ohnmacht, ungewissheit und sehnsucht verstrickt »reading tosca« in einer brutalen, von zerrissenheit geprägten welt.

»das grandiose schlusstableau reißt zu begeisterungsstürmen hin.« (faz)

»entstanden ist eine choreografisch schlüssige lektüre der oper aus tänzerischer sicht. toula limnaios erweist sich damit als phantasievolle choreografin und hellsichtige deuterin der oper puccinis.« (neue züricher zeitung, 2008)

uraufführung in koproduktion mit den bregenzer festspielen für kunst aus der zeit, dem tanzfestival bregenzer frühling, dem künstlerhaus mousonturm frankfurt/main und der cie. toula limnaios/halle-tanzbühne berlin. gefördert durch das nationale performance netz aus mitteln des tanzplans deutschland der kulturstiftung des bundes. für die komposition der musik wurde der mitschnitt einer aufführung der »tosca« bei den bregenzer festspielen genutzt: tosca- nadja michael, cavaradossi – zoran todorovich, scarpia – gidon saks, angelotti – sebastian soules, spoletta – alexander krawetz, mesner/kerkermeister – martin winkler, sciarrone – martin busen, hirtenknabe – katja velletaz es spielen die wiener symphoniker, musikalische leitung: ulf schirmer
gastspiele: bregenzer festspiele, frankfurt/main, berlin, hameln, krefeld, quito/ecuador, cartagena/spanien, nürnberg, ludwigshafen

wiederaufnahme 2013 tanz: giacomo corvaia, marika gangemi, samuel minguillon, hironori sugata, karolina wyrwal, inhee yu, christin zimmermann
wiederaufnahme 2011 tanz: maría de dueñas, hwan hee hwang, amit preisman, mayra wallraff, fernando balsera, alexander carrillo, antonios vais

konzept/choreographie

toula limnaios

musik

ralf r. ollertz, giacomo puccini

tanz/kreation

mercedes appugliese, fleur conlon, elik niv, kayoko minami, clebio oliveira, ute pliestermann, hironori sugata

lichtdesign

klaus dust, jan langebartels

kostüme

antonia limnaios, toula limnaios

public relation

silke wiethe

fotos

dieter hartwig u.a.

kritiken

»das grandiose schlusstableau reißt das tanzpublikum zu begeisterungsstürmen hin.« (frankfurter allgemeine zeitung, 2008)

»eine der renommiertesten choreografinnen der europäischen tanzszene hat sich der ›tosca‹ angenommen. das septett bietet eine beeindruckende 70-minütige performance. … ein verstörendes und nachhaltig beeindruckendes stück zeitgenössischen tanzes.« (gießener allgemeine, dagmar klein, 2008)

»überwältigende bilder fragmentierter beziehungen: dass es nicht um tänzerische illustration des originals geht, dafür steht limnaios, eine der kreativsten berliner choreografinnen. ihr gelingen eindringliche bilder von ebenjener fragilität aller beziehungen, für die die gestalten um tosca exemplarisch stehen. es ist, neben den bildlösungen und dem vorzüglichen tänzerseptett, jenes typische bewegungsgespür, das ›reading tosca‹ zu einem stück von format macht.« (tanzjournal, 2008)

»entstanden ist eine choreografisch schlüssige lektüre der oper aus tänzerischer sicht. toula limnaios erweist sich damit als phantasievolle choreografin und hellsichtige deuterin der oper puccinis.« (neue züricher zeitung, martina wohlthat, 2008)

»das stück ist zudem eine bewegende reflexion über oper und affekte, über körper und stimme. ihr gelingen bilder von verstörender schönheit.« (tagesspiegel, 2008)

»vor kurzem wurde der opern-manager sir peter jonas gefragt, wie er sich denn die zukunft der bayreuther festspiele vorstellen würde. seine antwort u.a.: es wäre interessant und anregend, in bayreuth wagner-opern getanzt zu sehen, in szene gesetzt von den berühmtesten choreographen. eine faszinierende idee. in bayreuth wird so eine avantgardistische tat in den nächsten 50 jahren wahrscheinlich nicht geschehen; wirklich neue ideen werden an künstlerisch spannenderen orten ausprobiert. gestern abend z.b. da gab es eine getanzte oper und zwar ›reading tosca‹ im frankfurter mousonturm.« (hessischer rundfunk, hr 2)

»toula limnaios’ bildmächtiges stück schafft es auch dann noch, plattheiten auszuweichen, wenn sie zu einem nahe liegenden bild greift. zur farbe rot etwa. ironie ist ein weiteres talent toula limnaios’. am schönsten und gleichzeitig einleuchtendsten aber ist es, als einer tänzerin weingläser auf die arme geschnallt sind. eine tiefrote flüssigkeit ist in dem einen glas. langsam, vorsichtig dreht, wendet, windet sich die tänzerin, so dass sie den roten saft immer wieder in ein anderes glas umfüllen kann. ein zartes wunderwesen ist sie, eine art lucia-braut, die ja wegen der kerzen auf ihrem kopf auch sehr achtsam sein muss. nichts geht zu bruch in ›reading tosca‹. im wahren leben, daran lässt das stück keinen zweifel, gäbe es längst scherben.« (frankfurter rundschau, sylvia staude, 2008)

»überwältigende bilder fragmentierter beziehungen /// dass es nicht um tänzerische illustration des originals geht, dafür steht toula limnaios, eine der kreativsten berliner choreografinnen. die zierliche griechin mit dem seit über einem jahrzehnt unerschöpften kraftkontinuum interessieren bei ihrer im auftrag der bregenzer festspiele entstandenen uraufführung nicht die einzelnen handlungsstränge, wohl aber die verstrickungen der protagonisten.
limnaios gelingen eindringliche bilder von ebenjener fragilität aller beziehungen, für die die gestalten um tosca nur exemplarisch stehen. das berückendste findet sie zum schluss: eine frau befreit sich aus der männerbedrängnis, ragt bald einsam aus ihren roten stofffluten empor, wird gehoben, stürzt ins unsichtbare nach hinten. parallel zum solo in der weite des kleides lief als kontrapunkt und zur visualisierung ihrer gefühle ein brillantes, gewagtes duett. es ist, neben den bildlösungen und dem vorzüglichen tänzerseptett, jenes typische bewegungsgespür, das ›reading tosca‹ zu einem stück von format macht.« (neues deutschland & tanznetz, volkmar draeger, 2008)

»toula limnaios, die weit herumgereichte choreografin aus berlin, ist zu gast in der tafelhalle und wagt den ebenso gewagten wie genialen blick auf puccinis opernreißer ›tosca‹. sie schafft mit ›reading tosca‹ ein sensibles gleichnis mit strengen stilmitteln. … unbehagen und faszination wechseln einander ab. figuren im bann einer fremden macht. und über allem steht das herausragende tanzseptett, das mit dieser tänzerischen leistung sicher eine nachhaltige erinnerung in der tafelhalle hinterlassen hat. alles prägt sich ein: …. zentrales hilfsmittel von ›reading tosca‹ ist ein überdimensioniertes rotes samtkleid, das sich wie eine blutspur durch die inszenierung zieht. als symbol aller bühnenaktion darf die geheimnisvolle trägerin der opulenten schlusspointe sein. bravo!« (nürnberger zeitung, 2009)

»dramatik, leidenschaft, tod: was überrascht und beeindruckt ist die gesamtdramaturgie mit ungewöhnlichen visuellen und akustischen einfällen. besondere strahlkraft geht auch vom visuellen aus. so schön gelitten wird selten.« (www.tanzpresse.de, 2008)