»alles verschlingt sich, die zeiten verschlingen sich, zuerst war ich hier nur gewesen, jetzt bin ich immer hier, gleich werde ich noch nicht hier sein … erinnert, eingebildet, ganz gleich, … an mich glaubend, glaubend, daß ich es sei, … und das nötige zum bewegen, von zeit zu zeit, auch nicht, da die anderen vorbeigehen, die wirklichen, aber auf erden, sicherlich auf erden, für die dauer eines neuen todes, eines neuen erwachens, bis es hier anders wird, bis etwas anders wird, das besser geboren, besser sterben, oder aber wiederauferstehen lässt, in die, aus der tiefe dieses raunens von erinnerung und traum.« (zitate aus samuel becketts »texte um nichts«)

»in ihren choreographien kreiert sie eine poesie der menschlichkeit. immer wieder gelingt es ihr, das innere des menschen an die oberfläche zu bringen. sie erzählt keine geschichten, sondern stimmungen, die zwischen illusion und wirklichkeit, dem sein und dem nichtsein oszillieren.« (berliner morgenpost, andrea philippi, 2001)

eine produktion der cie. toula limnaios in koproduktion mit dem theater am halleschen ufer und freundlicher unterstützung der senatsverwaltung für wissenschaft, forschung und kultur, gefördert durch den fonds darstellende künste e.v aus mitteln des bundes.
gastspiele: stuttgart

konzept/choreographie

toula limnaios

musik

ralf r. ollertz

live-musik

lenka zupkova (violine)

tanz/kreation

raffaella galdi, ulrich huhn, wencke kriemer, lena meierkord, krzystof zawadzki

lichtdesign

klaus dust

public relation

silke wiethe

videoprojektionen

cyan

fotos

dieter hartwig

kritiken

»dem leben auf der spur /// lena, lena, lena flüstert es auf der bühne. lena, lena, lena rufen die vier tänzer und tänzerinnen dem schönen mädchen mit den dunklen mandelaugen zu, wenn sie wie ein irrlicht zwischen dem einen und dem anderen umherstreift. wohin gehen? welchen weg wählen? wem vertrauen? die griechische choreographin toula limnaios widmet ihre jüngste arbeit dem leben an sich. das stück ›outre vie‹ ist nach der preisgekrönten choreographie von 2001 ›nichts. ich werde da sein, indem ich nicht da bin.‹ der zweite teil einer trilogie, die den spuren von geburt, leben und tod nachgeht. und auch dieses mal begleiten die charmante künstlerin und ihre tanzkompagnie samuel becketts 1955 geschriebenen ›texte um nichts‹.
durch becketts hin-und hergerissenen rhythmus, seinen dualismen zwischen sein und nicht-sein, zwischen ständigem werden und sterben, möchte die seit 1997 in berlin agierende toula limnaios auf der bühne ein ›mosaik des lebens‹ kreieren, bei dem sich kontinuierlich die bahnen der fünf tänzer kreuzen, verbinden oder abstoßen. ›outre vie‹ kann vieles bedeuten. es mag die andere seite eines jenen lebens beschreiben, seine vergangenheit, seine zukunft, das verharren an scheitelpunkten oder den moment eines verfallenden endes, an dem immer ein neuer anfang steht.
wenn man die stücke von toula limnaios verfolgt, entdeckt man schnell die größte begabung der choreographin: ihr gelingt es fast jedes mal, seelen-stimmungen auf die bühne zu bringen. das spürt man, wenn einer der tänzer ein zartes federchen in die luft haucht, oder alle tänzer gemeinsam zu windigen, tropfigen klängen einer anderen welt sich am boden verworren drehen und wenden. mit geigenbegleitung live auf der bühne gespielt, videoimpressionen und einem neuen, sehr gut harmonierenden ensemble hinterlässt die cie. toula limnaios wieder einmal des lebens tiefe spuren auf der bühne des theater am halleschen ufer.« (berliner morgenpost, andrea philippi, 2002)

»ankunft in rot /// ›outre vie‹ ist ein farbig intensives stück. die fünf tänzer und tänzerinnen und die violinistin tragen kleider und hemden in leuchtenden farben. die leinwand im hintergrund nimmt diese farben auf und leuchtet rot und gelb. das geigenspiel von lenka zupkova wird in den computer eingespeist und vervielfacht sich zum echo. kein detail bleibt unbeantwortet an diesem abend. ›outre vie‹ erzählt vom aufgehobensein. das abschneiden von allen haltepunkten des ich, auf den der prolog zusteuert, taucht dennoch in der choreographie wieder auf. oft passiert das anekdotisch: aus einem großen spektrum von verlegenheiten und misslichen situationen entwickeln sich oft witzige bewegungen. das erinnert mehr als die bisherigen stücke von von toula limnaios an die klassiker des tanztheaters, die soziale verhaltensweisen stilisierten. aber vor allem greift die verunsicherung tief hinein in den stil der bewegung, den aufbau der energie: in einem oft kleinteiligen und präzisen wechsel von spannungslosen zuständen, von körpern und gliedern ohne eigenen halt, zu momenten voller kraft und energischen impulsen. ›es ist keine geschichte erforderlich, eine geschichte ist nicht unerläßlich, nur ein leben.‹ und leben, mehrere sogar, sind ohne zweifel in ihren choreografien verwoben.« (taz berlin, katrin bettina müller, 2002

»soweit die füße tragen /// sie ist die philosophin unter den jungen choreografinnen. toula limnaios taucht in dunkle innenwelten ein, wo das ich sich verliert. ihr stück ›outre vie‹ ist der zweite teil einer von samuel becketts ›texten um nichts‹ angeregten trilogie. die choreographie für fünf tänzer/innen verfolgt lebensspuren, schicksalhafte bahnen. der eintritt ins leben, sein und werden, entwicklung und stillstand. kinderfotos wie aus einem familienalbum verleihen dem stück etwas intimes. am anfang sitzen die tänzer auf stühlen, nur die füße berühren sich: zart und skurill ist dieses fußballett, es zeigt die behutsame erkundung des eigenen körpers und dessen begrenzung.« (tagesspiegel, sandra luzina, 2002)