wir sind wie wandler durch den tag und vagabundieren durch die absurditäten des alltags.
»momentum« sind bilder zwischen disparität und offenheit, die sich nicht eindeutig erfassen lassen.

wie ein kammerspiel konzipiert, erzählt »momentum« nicht eine einzige und zusammenhängende geschichte, sondern eine reihe von episoden, wie autonome fragmente, die die kleinen unscheinbaren rätsel des alltags darstellen, in denen wir ersticken oder unsere sehnsucht schöpfen.

kurze momente, einfache formen, ebenso getrennt wie miteinander verknüpft, persönliche geschichten, alltägliche nichtigkeiten, die absurd oder poetisch sein können und unser leben durchleuchten, momente besonderer intensität.

eine produktion der cie. toula limnaios mit freundlicher unterstützung der senatsverwaltung für kultur und europa 2017
im rahmen der tanzkampagne „watch me dance“.

konzept/choreographie

toula limnaios

musik

ralf r. ollertz

tanz/kreation

daniel afonso, leonardo d’aquino, priscilla fiuza, daeho lee, alba de miguel, katja scholz, hironori sugata, karolina wyrwal

lichtdesign

felix grimm

raum/kostüme

antonia limnaios, toula limnaios

choreographische assistenz

ute pliestermann

public relation

silke wiethe

gastspiel kooperationen

sanya tsekov

licht und bühnentechnik

domenik engemann, jan römer, leo tsirigotis

kritiken

oh, ewige wiederkehr!
die cie. toula limnaios glänzt mit versöhnlicher leichtigkeit. in „momentum“ begegnet sie erstarrten alltagsroutinen und materieller übersättigung mit schwarzem humor, slapstick und akrobatik-einlagen. weniger intensiv als sonst geht es dabei trotzdem nicht zu.
ungewöhnlich hell und aufgeräumt erscheint das bühnendekor in der aufführungshalle der cie. toula limnaios an diesem abend. keine erdhaufen, kein laub, keine nebelschwaden und auch keine stricke — stattdessen: weiße seidenvolants, die von der decke herabhängen, ein heller designer-esstisch, ein weißer kühlschrank mit glastür und ein bärenfell-teppich. doch die makellose minimalstkulisse weist bei genauerem hinschauen ungereimtheiten auf: aus dem bärenfell-teppich, der eigentlich ein pelzmantel ist, ragen die hände und füße einer frau und in der klaustrophobischen enge der frischhalte-vitrine aalt sich — wie ein weiteres ausstellungsstück eines exquisiten möbel-showrooms — ein wohl geformter weiblicher alabasterkörper.
konzipiert wie ein kammerspiel erzählt toula limnaios mit „momentum“ keine „zusammenhängende geschichte, sondern eine reihe von episoden“. im mittelpunkt ihres zwischen traum und wirklichkeit schwebenden choreografischen beziehungs-mosaiks für acht tänzer*innen steht ein gut situierter, aber resignierter mann, der von der routine seines luxuriösen lebens ausreichend gesättigt ist (— das spiegelt auch die sparsame und wie durch ein leeres haus hallende piano-musik von ralf r. ollertz ganz wunderbar wieder). …

es sind bilder voller macht und ohnmacht, die limnaios hier nebeneinanderstellt: der rollschuhfahrer packt einen der liebhaber an der krawatte, liefert sich mit ihm ein rasant-akrobatisches duell mit ungleichen mitteln. … routinen können zu alpträumen mutieren, wenn man darin erstarrt. lebenskunst aber ist, der ewigen wiederkehr des immergleichen stets auf neue mit lust und leichtigkeit zu begegnen. da reicht es manchmal auch schon, nur ein teil im unendlichkeitspuzzle auszutauschen.
von christine matschke, 11.12.2017

momentum
turbulente traumsequenzen
in »momentum« von toula limnaios liefern sich brillante tänzer fulminante scharmützel

»…was den abend besonders in der zweiten hälfte so faszinierend macht, sind ungemein gut erfundene duette … zwei männer brillieren in einem streit voller umheber, rutscher und bodenroller trotz tellern in den händen … was sich dann der rollschuhläufer und sein partner an fulminanten schleuderscharmützeln mit halt am schlips liefern, fliegend wie im eiskunstlauf, strangulierend im kampf um dominanz, ist atemberaubend akrobatisch und ebenso riskant …« von volkmar draeger 09.12.2017 neues deutschland