fiktion in bewegung für drei frauen
ein kaleidoskop dreier solostücke, welche im spiegel betrachtet, als umgekehrtes bild erscheinen. soli, die sich nicht begegnen gleichwohl sie co-existieren. in denen realitäten und träume dieser frauen sich vermischen, vereinigen, vervielfältigen und vereinzeln.
drei typisierte frauen tanzen in eher beklemmenden soli innere zustände heraus. traumgestalt die eine, formen die beiden anderen eine art kentaur, der sich mühsam seinen weg durch die zähigkeit der zeiten bahnt. mit haarverdecktem gesicht oder mantelumhüllten körper suchen skurille wesen geradezu verzweifelt nach antworten auf ihre lebensfragen, möchten die eigene haut verlassen.
»faits d’hiver« setzt sich wie ein kaleidoskop des inneren universums zusammen, jenes dreier frauen, jede mit einem unterschiedlichen schicksal, welche die pforten der träume überschreiten und das land der letzten dinge besuchen.

»das sind die letzten dinge. eins nach dem anderen, sie vergehen und kommen nicht zurück.« (paul auster, »in the country of the last things«)

alpträume aus wachs, in denen die zeit die augen abwendet, schwindel der tiefe, in denen die begriffe von schnelligkeit und langsamkeit auf befremdliche art und weise unseren alltag widerspiegeln.

»die goldene palme des solo-duofestivals geht nach griechenland. toula limnaios hätte sie jedenfalls für ›faits d’hiver‹ verdient. 60 minuten intensiver auseinandersetzung mit nichts als dem tanzenden körper im schwarzen bühnenraum, von franco marri ebenfalls preisverdächtig ausgeleuchtet, gerieten zum atmosphärisch geschlossensten tanzereignis der letzten zeit.« (berliner morgenpost, volkmar draeger, 1999)

produktion cie. toula limnaios, mit freundlicher unterstützung des e-studio der akademie der künste.
gastspiele: brüssel, bytom, bonn

wiederaufnahme 2000 tanz: toula limnaios, monica munoz marin, evelin stadler

konzept/choreographie

toula limnaios

musik

ralf r. ollertz

tanz/kreation

eve neeracher, toula limnaios, isabelle schad

lichtdesign

franco marri, michel delvigne (lichtregie)

kritiken

»einsamer höhepunkt /// ein choreographisches kaleidoskop, das eine stunde lang jeden zuschauer in atem hält und gleichzeitig ein totentanz, der nicht wenig an james ensor erinnert. denn wenn nur noch die hülle tanzt, ist von einem körper unter dem schwarzen umhang nichts zu merken, die hölzerne hand unter dem ärmel vorgeschoben, als wäre sie ein phantom: ein unheimlicher moment, den man nicht so schnell vergisst.
zeigte toula limnaios schon mit ›le temps d‘après‹ und ›entrevisions‹ ihre begabung, so beweist sie mit ›faits d’hiver‹, einsamer höhepunkt beim berliner soloduo-festival, ihre meisterschaft.« (ballet tanz international, hartmut regitz, 1999)

»schreie aus der tiefe der seele /// die goldene palme des solo-duofestivals im theater am halleschen ufer geht nach griechenland. toula limnaios hätte sie jedenfalls für ›faits d’hiver‹ verdient. 60 minuten intensiver auseinandersetzung mit nichts als dem tanzenden körper im schwarzen bühnenraum, von franco marri ebenfalls preisverdächtig ausgeleuchtet, gerieten zum atmosphärisch geschlossensten tanzereignis der letzten zeit. und katapultierten die junge choreographin gleich mit ihrer ersten abendfüllenden arbeit unter die hoffnungsträger der berliner szene.

hoffnungsfroh geht es auf der bühne indes nicht eben zu. drei gut typisierte frauen (toula limnaios, isabelle schad, eve neeracher) tanzen in eher beklemmenden soli innere zustände heraus. traumgestalt die eine, formen die beiden anderen eine art kentaur, der sich mühsam seinen weg durch die zähigkeit der zeiten bahnt. mit haarverdecktem gesicht oder mantelumhülltem körper suchen skurrile wesen geradezu verzweifelt nach antworten auf ihre lebensfragen, möchten die eigene haut verlassen. kontakte kommen nicht zustande. einsamkeit regiert die szene, wasser plätschert, stimmen wispern. mystisch wie william blakes gedichte ist diese bilderfolge von der düsternis des seins.
dabei enthält sie oft hitzigen tanz, etwa den vulkanausbruch der isabelle schad mit ihrem sturm irrwitzig verknoteter bewegungen. erst am ende eint gemeinsame suche die individualisten zum trio. nach rasanten sturzflügen verharren sie im kreis, den kopf witternd erhoben.« (berliner morgenpost, volkmar draeger, 1999)