»every single day« ist frei inspiriert nach dem mythos des sisyphos von albert camus. das absurde besteht in dem spannungsverhältnis zwischen der sinnwidrigkeit der welt einerseits und der sehnsucht nach einem sinn bzw. sinnvollem handeln. sisyphos ist symbol für ein lebensgefühl und wirft uns zurück auf unsere verwundbarkeit als mensch und seine vergänglichkeit.
camus hat den mythos neu interpretiert – er hat einen menschen gezeichnet, der zwar schwer an der last seiner aufgabe trägt, aber in der permanenten monotonie seines alltags sinn und sogar glück findet.
wie sisyphos sind die interpreten in aktionen verstrickt, die aussichtslos erscheinen – nicht, weil sie es wollen, sondern weil sie unfähig sind, sich aus ihnen zu lösen. in einer zeitschleife wiederkehrender bewegungen mit leichten, fast unmerklichen veränderungen, eskaliert die situation und führt zwangsläufig zum ausbruch, der eine mögliche auflösung erreichbar werden lässt.
»every single day« ist eine choreographie des betrachtens, eine poetische annäherung an die beständig wachsende absurdität. sie treibt alltagssituationen an die grenze zum surrealen und lässt dort zutiefst menschliche eigenschaften erscheinen.

es sind wandelnde bilder in stetiger entwicklung wie der zyklus des lebens. sisyphos steht für die tägliche herausforderung, etwas »unmögliches« zu tun. die wiederkehrende monotonie verbindet hoffnung und illusion zugleich. »der kampf gegen gipfel vermag ein menschenherz auszufüllen. wir müssen uns sisyphos als einen glücklichen menschen vorstellen.«

»für die vergebliche sehnsucht der menschen findet sie faszinierende, bildstarke inszenierungen. nie entsteht monotonie, weil alles in einer gefahrvollen schwebe bleibt, weil einem das aufbegehren gegen die sinnlosigkeit von diesem großartigen ensemble mit solcher kraft und eindrücklichkeit vor augen geführt wird, dass man immer weiter zuschauen möchte. großen anteil an dem atmosphärisch ungemein dichten tanzabend hat die musik. am ende tief beeindruckte zuschauer.« (nürnberger nachrichten)

eine produktion der cie. toula limnaios mit freundlicher unterstützung der kulturverwaltung des landes berlin und des fonds darstellende künste e.v. aus mitteln des bundes.
gastspiele: berlin, hameln, düsseldorf, heilbronn, vilnius, nürnberg, lublin

wiederaufnahme 2012 tanz: maría de dueñas lópez, elia lópez gonzález, amit preisman, karolina wyrwal, giacomo corvaia, yannis karalis, hironori sugata

konzept/choreographie

toula limnaios

musik

ralf r. ollertz

tanz/kreation

maría de dueñas lópez, hwan hee hwang, amit preisman, mayra wallraff, fernando balsera, alexander carrillo, antonios vais

lichtdesign

jan langebartels

kostüme

antonia limnaios, toula limnaios

public relation

silke wiethe

fotos

sabine wenzel, d. matvejev

kritiken

»wir befinden uns im anderland der limnaios. die bewegten szenen im farblicht nehmen sich oft aus wie gemalt, tableaux vivants. ein stück, aus dem man nicht erwachen möchte.« (frankfurter allgemeine zeitung, marcus hladek, 2011)

»der abend ist eine offenbarung !« (offenbach-post, stefan michalzik)

»… eine arbeit von archaischer kraft und schönheit …« (nürnberger nachrichten, georg kasch)

»toula limnaios hat hier eine parabel zum mensch-sein an sich und zu unserem heutigen fühlen, denken und sehnen entworfen. every single day ist wie fast immer bei toula limnaios ein stück mit immensem nachhall.» (rbb kulturradio, frank schmid)

»enorm eindringliche bilder gelingen toula limnaios in einer ihrer dichtesten kreationen, in der sie kompromisslos die tänzer dem element erde aussetzt. keinen moment lässt die spannung nach, im finale gelingt nochmals eine steigerung. als über allem das licht erlischt, hat auch limnaios’ neu formierte internationale truppe großes geleistet: im tanz und in der inspiration für die choreografin.« (neues deutschland/www.tanznetz.de, volkmar draeger)

»mit ›every single day‹ ist toula limnaios ein bemerkenswerter wurf gelungen. in einprägsamen bildern erzählt sie von der schönen schwere des menschseins. man verlässt den abend mit dem beschwingten vorsatz, jeden einzelnen tag des eigenen lebens zu genießen, wie einen schatz – selbst wenn man steine bergauf rollen muß.« (zitty, tom mustroph)

»camus’ sisyphos-interpretation wurde hier in beeindruckender weise vergegenwärtigt, handlungen, die sich ins unendliche wiederholten, wurden anmutig veranschaulicht. selbst wenn eine tänzerin – einem atlas gleich – die ganze welt auf ihren schultern tragen muss, erscheint die schwere des lebens so anmutsvoll schwerelos. berge, ja ganze welten, können durch sie umgesetzt werden.« (b.z., dan cotreanti)

»für eines der spannendsten ihrer regelmäßigen gastspiele in der nürnberger tafelhalle sorgte die cie. toula limnaios. nie entsteht monotonie, weil alles in einer gefahrvollen schwebe bleibt, weil einem das aufbegehren gegen die sinnlosigkeit der psychischen und physischen verausgabung von diesem großartigen ensemble mit solcher kraft und eindrücklichkeit vor augen geführt wird, dass man immer weiter zuschauen möchte. am ende tief beeindruckte zuschauer.« (nürnberger nachrichten)

»poetisch-archaische bilder, die im gedächtnis bleiben: eine berückende aufführung der vorzeige-tanzcompagnie durch das hervorragende tänzerische septett. der zuschauer hält die lupe vor und staunt. denn das ensemble mäandert dabei im schwebezustand zwischen mythos, realität und bewegten bildern. manch idiotie des alltags lässt limnaios leise durch finger rieseln und hebefiguren sich im rachen brauner erde verlieren. es ist die souveränität der tänzer und der bildnerische eigensinn, die raunen machen.« (nürnberger zeitung)

»die cie. toula limnaios sorgte für einen furiosen auftakt der neuen saison in der tafelhalle nürnberg. toula limnaios ist in bestform. ihre choreographie hat archaische wucht, verlangt von den tänzern ständige präsenz und blitzt ganz im sinne des erfinders mit hellsichtigen gedanken in die eingetrübte metapher. die choreographin holte sich blumen und bravos persönlich ab.« (abendzeitung nürnberg)

»der mythos von sisyphos getanzt – als leichter sinn im sinnlosen. getanzte monotonie und wiederholungen als faszinierende bilder. dazu: elektronisch erzeugte musik (ralf r. ollertz), minimalistische komposition. zeit als ticken aus unterschiedlichen quellen, auch aus dem parkett – anschwellend, dann wieder verkleckernd, penetrant, bedrohlich. wechsel, die immer in die wiederholungsschleife gelangen. steigerungen zu treibenden rhythmen – dann wieder ruhige sequenzen, romantisiert. ein grandioses finale, in dem ein berg versetzt wird. dynamik, die sich steigert – wer auf dem neuen erdhaufen zusammenbricht, wird zugeschüttet. fast schon euphorisch mit ungeheurem tempo – und das absurde der situation fast so etwas wie glück. ertrotztes glück. triumph des geistes über die realität. eine grandiose ensembleleistung, pausenlos in einem stück durchtanzt, immer unter höchstspannung und den mythos des sisyphos dennoch ins spielerisch leichte übertragen. anders sinnlich und bildgewaltig.« (deister- und weserzeitung, kultur, richard peter, hameln)

»vom mythos des sisyphos und den absurditäten des lebens erzählt die choreographie ›every single day‹. ein bizarrer und poetischer tanz mit archaisch anmutenden bewegungen. die cie. toula limnaios zählt zu den besten ensembles des zeitgenössischen tanzes. erde und tod – auch hier schließt sich der kreis – ›every single day‹ – die nächste vorstellung übermorgen in berlin.« (3sat, kulturzeit, 2012)