»die einen, die anderen« ist eine internationale kooperation der cie. toula limnaios mit der cia. gira dança. das stück, das in brasilien und berlin erarbeitet wird, ist eine reflexion über das körper-bild und inspiriert von foucaults radiovorträgen »der utopische körper«/»die heterotopien«. jeder mensch hat und wird einen körper haben, aber gleichzeitig ändert sich seine vorstellung mit der zeit, in der wir leben. er ist ausgangspunkt zur welt und verbindet uns mit ihr. zugleich ist er ort der sehnsucht, des begehrens und der phantasie, aber auch quelle des utopischen, das den blick auf seine gnadenlose realität und vergänglichkeit spiegelt.

in »die einen, die anderen« erleben vierzehn menschen, wie man den körper erfahren kann, nicht nur als gesellschaftliches und ökonomisches produkt von idealen und normen, wo der umgang mit dem körper als ware betrachtet wird oder idealbildern nacheifert und somit einer effizienz-maximierung unterwirft, sondern in seiner einzigartigkeit und individualität schätzt und der selbstentfremdung menschlichkeit, leidenschaft, leichtigkeit, poesie und liebe gegenüberstellt.

der kreative prozess bestand aus gemeinsamen recherchen und proben, wobei später ein zweiteiliger abend beide ensembles wieder trennte und die einen ohne die anderen auf der bühne tanzen. die spuren, die körperliche nähe, die erinnerung an den anderen werden in videoprojektionen fühlbar und präsent bleiben. utopische stehen dem realen körper gegenüber.

die cia. gira dança ist ein 2005 in natal von anderson leão und roberto morais gegründetes ensemble für zeitgenössischen tanz. ein künstlerisches und gelungenes soziales experiment mit behinderten und nichtbehinderten menschen. allen produktionen gemein ist die suche nach einer ästhetik, die sowohl die besondere unterschiedlichkeit der teilnehmenden personen als auch deren gemeinsamkeiten zum ausdruck bringt.

eine produktion der cie. toula limnaios in kooperation mit der cia. gira dança. gefördert aus mitteln des landes berlin, senatsverwaltung für kultur und europa. präsentiert von: exberliner I zitty.
im rahmen des performing arts festival berlin

konzept/choreographie

toula limnaios

komposition/musik

ralf r. ollertz

tanz/kreation

cie. toula limnaios: daniel afonso, leonardo d’aquino, priscilla fiuza, daeho lee, katja scholz, hironori sugata, karolina wyrwal/cia. gira dança: marconi araújo, alvaro dantas, thaise galvão, iego josé , wilson macário, jania santos, joselma soares

video

giacomo corvaia

lichtdesign

felix grimm

raum/kostüme

antonia limnaios/toula limnaios

assistenz

ute pliestermann

public relation

silke wiethe

gastspiel kooperationen

sanya tsekov

licht und bühnentechnik

domenik engemann, jan römer, leo tsirigotis

kritiken

»stehende ovationen für die vierzehn tänzerinnen und tänzer aus berlin und natal/brasilien mit dem inszenierungsteam um choreografin toula limnaios, die sich in ihrer ersten gemeinsamen produktion mit einem aufsehenerregenden tänzerischen diskurs über reale und utopische körperbilder beidseits des atlantiks als universell präsentieren…«
artikel von karin schmidt-feister auf tanznetz.de

»wir sind viele. …es beginnt mit einer seltsamen doppelung: leonardo d’aquino betritt in heller sommerlicher kleidung die bühne, er scheint auf unheimliche weise verknüpft mit einer zwergenhaft anmutenden kreatur, die unter einem pelzmantel verborgen ist. auch die tänzerinnen in ihren transparenten kleidchen sind bezogen auf ein dunkles gegenbild. das sichtbare und unsichtbare, das schöne und das groteske gehen in dem neuen tanzstück von toula limnaios eine innige verbindung ein. …
wenn die berliner tanzen, sind die brasilianer nur im video zu sehen, und vice versa. zueinander finden sie nur in den tollen videos von giacomo corvaia, die imaginäre räume öffnen. doch die beiden teile des stücks sind durch spiegelungen und korrespondenzen miteinander verklammert. toula limnaios lässt die brasilianer dieselben themen und bilder behandeln, auch wenn das bewegungsmaterial sich unterscheidet. es ist eine künstlerische begegnung auf augenhöhe, das macht den abend so beglückend. … brasilien-klischees umschifft auch der komponist ralph r. ollertz, dessen rhythmische musik die tänzer antreibt. …
wenn die brasilianer die bühne betreten, wird das stück grotesker, aber auch zärtlicher. … (sie) begeistern durch ihre ausdruckskraft und ihre tanzwut. die behinderten performer gehen schon mal bis an ihre grenzen, doch der tanz wird nie zur freakshow. … am ende gab es standing ovations für toula limnaios und die tänzer. «
tagesspiegel, kultur, sandra luzina, 03.06.2017.